Dekanatssynode am 21. Mai berät über Landesstellenplanung 2020

Unter dem Thema „Landesstellenplanung 2020 in unserem Dekanat“ kamen die Mitglieder der Dekanatssynode am Freitag, 21. Mai 2021 zu einem Synodenabend in der Scherenberghalle Gemünden a.Main zusammen. Zum Zeitpunkt der Veranstaltung lag der Beginn der Corona-Pandemie bereits ein reichliches Jahr zurück. Den strengen Lockdown-Bestimmungen war im November 2020 die einmal jährlich vorgesehene Dekanatssynode zum Opfer gefallen.

Mit dem Beschluss zur Landesstellenplanung 2020 hatte die Landessynode bereits auf der Frühjahrssynode im März die Weichen für Stellenkürzungen um durchschnittlich 10% gestellt. Die Vorgabe entspricht der rückläufigen Zahl der Kirchenmitglieder, die bayernweit während der letzten Dekade um rund 1% jährlich gesunken war.

Um die Kirchengemeinden zügig in die anstehenden Entscheidungsprozesse einzubeziehen, entschloss man sich die stimmberechtigten Mitglieder aus den 22 Kirchenvorständen des Dekanats noch im Frühjahr zu einer Präsenzveranstaltung mit Hygienekonzept einzuladen.

Im Namen des Präsidiums der Dekanatssynode begrüßte Martin Hentschel die Teilnehmer und eröffnete die zweite reguläre Synode in der Wahlperiode 2019-24. Von insgesamt 67 stimmberechtigten Teilnehmern nahmen 48 Mitglieder teil, die Synode war damit nach §15 DBO beschlussfähig. Mit Pfarrerin Corinna Bandorf und Marion Winnefeld waren auch zwei Vertreter unseres Dekanatsbezirks in der Landessynode als Gäste anwesend.

Nach dem Beschluss des Protokolls der letzten Dekanatssynode vom 9. November  2019 in Hammelburg dankte Dekan Roth dem Organisations- und Helferteam. Er stellte den Synodalen Frau Kristin Schneider-Genge vor, die seit dem 7. Januar 2020 als Dekanatssekretärin tätig ist.

In seiner Einleitung zum Thema beschrieb Dekan Roth die Gegenwart als eine disruptive Zeit, eine Phase großer Veränderungen und damit einhergehender Unsicherheiten und Übergangslösungen. Sinkende Gemeindegliederzahlen erforderten es, den bisherigen Weg infrage zu stellen, ja sie läuteten den Abschied vom Selbstverständnis der Kirchen als „Volkskirchen“ ein.

Er forderte zum Nachdenken über unser Verständnis von Kirche auf. In Anlehnung an das Augsburger Bekenntnis (Kirche ist „(…) nichts anderes als die Versammlung der Gläubigen und Heiligen.“ – Augsburger Bekenntnis, Art. 8) – seien es die Menschen, die das innere Wesen von „Kirche“ ausmachen, nicht nur Pfarrer/-innen, sondern insbesondere auch Kirchenvorsteher/-innen, Lektor/-innen und ehrenamtlichen Mitarbeiter/-innen. „Der Glaube an Gott sucht neue Formen und Strukturen und findet sie“, so Dekan Roth.  

Im zweiten inhaltlichen Block wurde zunächst die „Landesstellenplanung 2020“ als Instrument der landeskirchlichen Personalpolitik näher erläutert. Der Beschluss der Landessynode sieht für 64 von insgesamt 67 bayerischen Dekanaten Kürzungen im der landeskirchlich finanzierten Stellen bis 2024 vor. Für das Dekanat Lohr a.Main bedeutet das konkret einen Rückgang um 1,25 Stellen von derzeit 18,75 auf 17,5 Stellen, wobei 20% der Stellen berufsgruppenübergreifend besetzt werden dürfen. Das Verhältnis von Pfarrstellen und Gemeindegliederzahlen soll jedoch weiter konstant bleiben (Parochie-Dichte von derzeit 1,0 Pfarrstelle auf 1.500 Gemeindeglieder).

Neben den Gemeindepfarrstellen müssten aber auch die dekanatsweiten Dienste neu überdacht und zukunftsfähig aufgestellt werden. Bisher waren diese Stellenanteile fest zugewiesen, können nun aber auf Entscheidung des Dekanatsausschusses auch für andere Zwecke verwendet werden. Vor diesem Hintergrund sind dem Landeskirchenamt nicht nur der Beschluss zur künftigen Stellenverteilung im Dekanat sondern auch inhaltliche Konzepte zu den Arbeitsfeldern im dekanatsweiten Dienst zu übermitteln.

Bereits im vergangenen Jahr begann der Dekanatsausschuss in sieben verschiedenen Arbeitsgruppen mit der Arbeit an den Konzeptionen für die Aufgabenbereiche Kinder- und Jugendarbeit, Altenheimseelsorge, Kirchenmusik, Erwachsenenbildung, Öffentlichkeitsarbeit, Diakonie und Krankenhausseelsorge. In diesen Konzepten sollen die Erwartungen der Menschen und anstehenden Aufgaben einerseits mit einem realistischen Erfüllungsszenario andererseits kombiniert werden.

Anschließend wurde der zeitliche Ablauf des Beschlussprozesses Gegenstand des Vortrags und einiger Rückfragen aus dem Kreis der Synodalen. Die fünf fertigen Konzeptionen  über die dekanatsweiten Dienste werden nach der Synode an die Synodalen weitergegeben. Der Dekanatsausschuss hat nun etwa ein halbes Jahr Zeit für Beratungen und Gespräche, auch mit den Kirchengemeinden, und erstellt dann einen Verteilungsvorschlag (Herbst 2021). Danach können in einer Frist  bis zum Frühjahr 2022 Einwendungen der Kirchengemeinden in schriftlicher Form abgegeben werden. Nachdem die Stellungnahmen der Kirchengemeinden geprüft und soweit möglich und sinnvoll berücksichtigt wurden, macht der Dekanatsausschuss dem Landeskirchenamt einen Vorschlag über die Stellenverteilung. Dieser Verteilungsbeschluss soll bis zum Sommer 2022 vorliegen. Die Dekanatssynode und alle Kirchengemeinden werden - auch während des laufenden Verfahrens – kontinuierlich über die Beschlüsse informiert.

Die vorgegebene Stellenkürzung muss bis zum 30.6.2024 umgesetzt werden. Im Austausch mit den Synodalen merkt Dekan Roth dazu an, dass der jetzt schon spürbare Personalmangel bei Pfarrerinnen und Pfarrern, ausgelöst durch Ruhestandseintritte und seit Jahren niedrige Nachwuchszahlen, die aktuelle Personalplanung mittelfristig wahrscheinlich überholen werde. Die Prognosen ließen einen Rückgang der Pfarrerinnen und Pfarrer bis 2030 von 35%, bis 2035 sogar um die Hälfte befürchten. Daher ginge es bei den anstehenden Aufgaben vorrangig auch darum, mittelfristige Entwicklung zu berücksichtigen, die Stelleninhaber/-innen zu halten und freie Stellen möglichst attraktiv zu gestalten. Berufsübergreifende Besetzungen seien eine Option zur Besetzung vakanter Stellen, man stehe aber bewusst auch zur theologischen Kompetenz von Pfarrerinnen und Pfarrern. 

Auch zufällig frei werdende Stellen, z.B. durch Ruhestandsentwicklungen, dürften keine ausschließlichen Hilfsmittel zur Erfüllung der Kürzungen sein. Sie sollten aber als natürliche Möglichkeiten für Veränderungen in Betracht gezogen werden. Die kirchengemeindegenaue Berechnung des Dekanats-Stellenkontingents nach dem 3-Faktoren-Modell (Anzahl der Gemeindeglieder, Fläche der Gemeinde, gewachsene Kirchenstruktur) sei ein weiterer gerechter Anhaltspunkt für den Entscheidungs-prozess, der besonnen und nicht überstürzt gestaltet werden müsse. 

Im Dekanat gibt es eine Reihe von Kirchengemeinden und Pfarreien mittlerer Größe, die nur noch halben Stellen entsprechen. Charakteristisch für die Regionen Ost und Nord ist zudem eine große Anzahl von Kirchengemeinden (7 bzw. 8). 

Fragetasche
Bildrechte: afg - Amt für Gemeindedienst

Mit Blick auf alle vier regionalen Räume des Dekanatsbezirks bat Dekan Roth darum, kirchliches Leben auch weiterhin und verstärkt gemeinsam zu gestalten. Kirchenvorstände und Gemeindemitglieder werden ermutigt, miteinander auf regionaler Ebene über die Zukunft zu sprechen und z.B. über Kooperationen mit Nachbargemeinden nachzudenken. Ein praktisches Hilfsmittel für die Diskussion im Kirchenvorstand sei die „Fragetasche“, eine Sammlung von Begleitmaterialien und Arbeitsblättern zur Sozialraumerkundung, die im Dekanatsbüro ausgeliehen werden kann. Aus dem Kreis der Synodalen kam die Rückmeldung, dass eine Zusammenarbeit auf kleinerer regionaler Ebene (Region Nord) bislang als sehr produktiv empfunden würde. Die in der Synode besprochenen Vorschläge blieben dagegen oft diffus und uneinheitlich.

Im weiteren Vortrag wird angesprochen, dass mit der Reduzierung der Stellen auch eine zwangsläufige Verkleinerung des Gebäudebestands einhergehen wird. Es sei künftig mit geringeren landeskirchlichen Mitteln zu rechnen. Kirchengebäude, als Identitätsmerkmal der Menschen vor Ort, sollten soweit möglich erhalten werden.

In dem folgenden Austausch zwischen den Synodalen kommt zur Sprache, dass die Landestellenplanung nicht nur als notwendiges Übel sondern als Chance gesehen werden müsse, als Gelegenheit sich neu aufzustellen und mit gezielten Angeboten mehr Menschen zu erreichen. Kommunikation und ein guter Informationsfluss untereinander seien hierzu erforderlich. Zu den Kommunikationswegen des weiteren Verfahrens zählen der E-Mail-Verteiler der Dekanatssynode, die Cloud, der Dekanatsrundbrief und Besuche in den Kirchenvorständen, die das  Dekanatspräsidium für die kommenden Monate plant.

In letzten informativen Teil des Vortrags benannte Dekan Roth die neuen dekanatsweiten Beauftragungen und würdigte das 25-jährige Dienstjubiläum von Dekanatskantor Mark Genzel und den Marktheidenfelder Dieter Schäfer, der am Ostermontag aus dem langjährigen Lektorendienst verabschiedet worden war. Zur Sprache kamen weiterhin die Verabschiedungen des Ehepaars Töpfer (Marktheidenfeld) im Juli und von Vikar Michael Rummel (ebenfalls Marktheidenfeld) im August. Erwähnung fand auch die Gründung des neuen Evangelischen Bildungswerks Frankenforum, dem man zusammen mit den Dekanaten Kitzingen, Markt Einersheim und Castell beigetreten ist.

Abschließend fanden noch drei dekanatsweite Projekte nähere Vorstellung:

  • Der geistliche Adventskalender und die Telefonandachten „Gut durch den Lockdown“ kommen, die bis zum Mai 2021 regelmäßig von Pfarrer/-innen, sowie von den Lektor/-innen und Prädikant/-innen des Dekanats gestaltet wurden,
  • das Grundlagenseminar Begleitende Seelsorge mit aktuell 12 Teilnehmern
  • sowie die Arbeitsgemeinschaft „Missionarische Dienste“, die Impulse für den Gemeindeaufbau erarbeitet und derzeit noch Ehrenamtliche Mitarbeiter sucht. 

Mit einem Verweis auf die nächste Dekanatssynode beendete Dekan Roth seinen Bericht. Die nächste Synode findet statt am Samstag, den 13. November 2021 unter dem Thema „Gut weiterarbeiten im Dekanat“.

Manuela Weber dankte allen Mitglieder und Helfern und schloss mit einem Gebet und Vaterunser die Veranstaltung.