Kreuzwort

Das Kreuzwort ist ein Statement unserer christlichen Kirchen vor Ort. Es wird von wechselnden Autoren zu aktuellen Themen verfasst und erscheint immer samstags im Regionalteil des Main-Echos. In der Woche nach dem Erscheinen im Main-Echo werden die Texte hier veröffentlicht.

 

Kreuzwort vom 16. September 2022

 

von Stephanie Wegner, evangelische Pfarrerin der Kirchengemeinde Kreuzwertheim

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Bildrechte Beim Autor

 

Heute schreibe ich mal Verse.

Zur Ordnung bieten sich an diverse -

Themen, meine ich - nicht Geschlechter.

Dieses Thema lasse ich den Aktivisten - und deren Orchester.

Ich möchte heute einmal reden übers Älterwerden und den Segen,

den wir mitbekommen durch das Leben.

Der erste, der im Alter sich gesegnet fühlt, ist Abraham - bevor er schon so heißt.

Denn noch dem Abram wird versprochen: Du wirst gehen, wie es Gott dir weist.

So geh mit Gott und seinem Segen!

 

Auf dich solls Kind und Kindeskinder regnen.

Und tatsächlich ist es eingetreten - mit 75 Jahren schon:

Der Sohn ist da, der erben kann! Welch süßer Ton

erklingt im Zelt und der Oase -

Und fällt der auch manchmal auf die Nase,

gilt doch alle Lieb und Treu dem Kleinen.

Doch selbst der muss erst mal tüchtig weinen,

als Papa meint, er müsst ihn opfern seinem Glauben,

seines Lifestyles wegen ihm das Leben rauben.

Doch wirkt auch hier der göttlich Segen,

lässt weder Vater noch den Sohne stehn im Regen,

sondern ruft gebieterisch: Halt ein!

Im Gebüsch, da steht ein Böcklein fein.

Nimm das und lass den Knaben leben!

So können beide nun gemeinsam einen heben.

Als Abraham dies alles widerfährt,

da ist er an die 90 schon - und eigentlich doch abgeklärt;

ist alt und grau und hochbetagt.

Und doch von der modernen Zeit nicht überfragt.

Denn ständig wird ihm zugemutet,

dass er sich stetig eilt und sputet,

den neuen Weg zu gehen,

das Unerwartete zu sehen

und auch noch froh willkommen es zu heißen -

dabei soll er auch noch reisen,

immer Gottvertrauen dem Herrn erweisen,

niemals etwas hinterfragen,

niemals über Mühsal klagen

und End sich auch noch freuen ob der Leiden …

Abraham, du bist wahrhaft nicht zu beneiden.

Doch manchmal, ganz im Stillen -

da neid ich ihm den festen Willen,

einfach nur zu trauen,

immer wieder neu zu bauen

auf den Segen, den Gott ihm  hat versprochen

und dies Versprechen auch (trotz allem Leiden) niemals hat gebrochen.

Manchmal wär ich gern wie Abraham:

hätt Glauben, Weisheit, all den Kram,

der Lebensmut verheißt.

Doch wär ich unserm Herrgott auch nicht gram,

könnte ich ein Leben lang zumindest sein wie Abram

und immer glauben, dass Gott mit mir reist.

Dann würd auch ich niemals den Mut verlieren,

würde endlich mal kapieren,

dass sein Segen überfließt,

jedes Leben reich begießt

und es an mir ist, zu verstehen:

Gott ist da - ich muss ihn gar nicht sehen.