Wort zum Sonntag

Das Wort zum Sonntag erscheint in der Wochenendausgabe der Saalezeitung und wird danach hier  veröffentlicht.

 

von Christine Seufert, Pastoralreferentin im Pastoralen Raum Bad Kissingen

Christine Seufert
Bildrechte: b. Autorin

Ich hatte einen Freund, der leider schon verstorben ist, der ein Meister im Verändern war: Ihm wurde schnell langweilig, wenn vieles gleich blieb. In regelmäßigen Abständen hat er seine Wohnung und auch seinen Laden umgestellt, neue Möbel gekauft, Accessoires dekoriert oder ist umgezogen. Er hat sich mit vielen Dingen beschäftigt und immer wieder Neues gelernt. Und ich habe gestaunt über diese Veränderungsenergie. Vielleicht denkt sich mancher von Ihnen, dass Ihnen das viel zu viel ist und viel zu unstet. Ich kenne mehr Menschen, die sich gerne einrichten, es sich gemütlich machen in ihrem Leben und sich an der Sicherheit freuen. Und ehrlich: Das kann ich gut verstehen. Gleichzeitig schlucke ich immer wieder bei dem Wunsch: „Bleibe so, wie du bist!“ Das will ich gar nicht! Entwicklung hat für mich einen hohen Wert: Mich weiterentwickeln, Neues lernen, nach vorne gehen, in die Zukunft schauen und immer wieder auf die Zeichen der Zeit schauen. Was ist gerade los in meinem Leben und wohin locken uns die Entwicklungen in unserer Zeit?

Dass Veränderung herausfordernd ist, erleben wir in unserer Kirche. Alle Zeichen stehen auf Veränderung und Weiterentwicklung und gleichzeitig sehnen sich viele danach, dass es doch viel lieber so bleiben soll wie es vor Jahren mal war. Und das wünschen sich nicht nur die Älteren unter uns. Auch in Organisationen sind Veränderungen schwierig. In der Organisationsentwicklung werden in Veränderungsprozessen als Hintergrund zum Verstehen, wo die Menschen gerade im Prozess stehen, sogar die Sterbephasen von Elisabeth Kübler-Ross verwendet. Überraschend? Mich hat es schon überrascht als mir das das erste Mal begegnet ist.

Und gleichzeitig feiern wir an diesem Wochenende mit Pfingsten das große Fest der Veränderung und des Wandels. Wir feiern den Heiligen Geist und ich frage mich, wenn ich in unsere Welt schaue und höre: Meinen wir es wirklich Ernst mit dem Fest des Heiligen Geistes? Der Heilige Geist ist der große Verwandler. Und wenn wir dieses Fest feiern, dann sagen wir JA dazu, dass Gott immer wieder in unserem Leben lebendig wird mit der Kraft des Neuen, mit der Kraft des Wandels und der Entwicklung. Wir feiern Gottes Schöpferkraft, wir feiern, dass er Neues ins Leben bringt, dass er in der Trauer tröstet, in der Verzweiflung neue Perspektiven öffnet, im Stillstand Neues möglich macht, Beistand ist in der Verzweiflung und in der Not, Frieden ermöglicht mitten in Gewalt, die Glut unter der Asche wieder befeuert, verbrennt, was Leben verhindert und uns herausfordert, die Zeichen der Zeit zu verstehen.

Ich wünsche uns, dass wir dem Heiligen Geist und seinen Einladungen zu Entwicklung und Wandel trauen, denn darin wird Leben bunt und kostbar. Ein Hoch auf den Heiligen Geist und den Wandel!