Wort zum Sonntag

Das Wort zum Sonntag erscheint in der Wochenendausgabe der Saalezeitung und wird danach hier online veröffentlicht.

 

Bei unserem Gottesdienst zum Erntedankfest in Burkardroth, der als Familiengottesdienst gestaltet war, war die Maus Frederic Impulsgeber. Vielleicht kennen Sie die Geschichte dieser Maus, die ihre eigene Idee hat, welche Vorräte über den Winter helfen. Die anderen Mäuse sammeln Nüsse und alles, was sonst als Lebensmittel für die Wintermonate notwendig ist. Frederic sammelt Wärme, Farben, Lieder, gute Worte. Nicht alle Mäuse sind mit dieser Einstellung einverstanden. Aber als es dann im Winter kalt und dunkel wird und das nicht nur draußen, sondern auch in den Herzen, erinnern sich alle an ihren Kollegen und lassen sich von ihm Helligkeit und Wärme schenken.

Eine Geschichte, nicht nur für den Erntedank, sondern ein Impuls um nach der Lebenshaltung zu fragen.

In mir löst diese Geschichte auch einen Ohrwurm aus, den ich oft genug nicht nur als Lied höre, sondern als Lebenshaltung entdecke. Ich muss nur noch kurz die Welt retten, so die Überzeugung in diesem Song. Bevor ich mich mit jemanden treffe, um das Leben zu genießen, muss ich eben die Welt retten …

Und weil aller guten Dinge drei sind, möchte ich die Hl. Theresia von Avila ins Spiel bringen, deren Festtag die Kirche gestern am 15. Oktober gefeiert hat. Sie hat uns viele kluge Worte geschenkt, eines davon möchte ich im Blick auf die Lebensgestaltung hier präsentieren.

„Mögest du in Zufriedenheit wissen, dass du ein Kind Gottes bist. Lass diese Gewissheit mit tiefen Atemzügen bis in deine Knochen dringen und dort ihren Platz finden und erlaube deiner Seele die Freiheit zu singen, zu tanzen, zu loben und preisen und zu lieben. All dies ist da für jeden und jede von uns.“

Keine Frage, wir stehen vor großen Herausforderungen, das gilt für unser Land, das trifft auf unsere Kirche zu, die lassen sich finden in der ganz kleinen Welt meines Lebens.

Und auch keine Frage, es braucht das Tun und Anpacken, damit gute Schritte auf dem Weg in die Zukunft möglich sind, aber für mich ist es oft die Frage, braucht es nicht auch die Zeit, um sich vieles wieder einmal klar zu machen?

Wir sind nicht nur die „Macher“, wir dürfen uns immer auch als Beschenkte wissen. Wir müssen nicht nur immer etwas tun, sondern um das Bild der Hl. Theresia zu gebrauchen: Wir dürfen unserer Seele die Freiheit geben, das Leben zu genießen. Wir dürfen die Gewissheit tief in uns lebendig sein lassen, dass wir Kinder Gottes sind und dieses Bewusstsein Zufriedenheit und Gelassenheit schenkt.

In meinem Dienst als Notfallseelsorger sage ich öfters bei Einsätzen, stellen Sie gegen dieses schreckliche Bild mindestens sieben schöne Bilder. Gönnen wir uns die Zeit und holen aus unseren inneren Schätzen die schönen Bilder hervor, fordern wir den Frederic in uns auf,

die Farben und die Wärme durch gute Worte und Lieder in uns wachzurufen, und spüren wir dem nach, was eine Hl. Theresia auch uns ans Herz legt:

„Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken. Alles vergeht – Gott ändert sich nicht. Geduld erreicht alles. Wer Gott besitzt, dem mangelt nichts. Gott allein genügt.“

Stephan Hartmann, Dekan des kath. Dekanats Bad Kissingen