Wort zum Sonntag

Das Wort zum Sonntag erscheint in der Wochenendausgabe der Saalezeitung und wird danach hier  veröffentlicht.

 

Pfarrer Armin Haas
Bildrechte: A. Haas

Abenteuer sind nicht jedermanns Sache. Manchmal aber will ich mich einfach etwas trauen, will mich persönlich herausfordern, an meine Grenzen gehen oder vielleicht (hoffentlich) sogar darüber hinaus. Ich will meine Möglichkeiten erweitern oder zumindest nicht aus Ängstlichkeit oder Bequemlichkeit arg darunter bleiben. Heuer war es erstmals ein Klettersteig in den Alpen. Und wer mit mir in der Rhön wandern geht, muss sich jedenfalls auf Abzweigungen ins Unbekannte gefasst machen.

Bietet nicht das Leben an sich schon genug Abenteuer? In der Beziehung, in Familie und in den beruflichen Herausforderungen? Jetzt gerade, wo die Entwicklung der Pandemie wieder sovieles, was man geplant hat, infrage stellt. Wenn das sichere Einkommen wackelt, die Gesundheit nicht mehr so mitmacht, oder wenn möglicherweise neue Nachbarn Gewohntes durcheinanderbringen?

Unsere Grundschulkinder haben beim Durchbuchstabieren des Wortes „Advent“ die Ähnlichkeit zu dem englischen „adventure“ entdeckt. Das heißt Abenteuer. Und irgendwie fanden sie, dass der geistliche Weg auf Weihnachten hin viel mit Abenteuern zu tun hat. Prophetische Worte fordern ernst zur Umkehr und machen Mut zu neuen Wegen. Sie kündigen an, dass Gott eingreift mit Macht. Zum Adventsweg gehört die Geschichte jener ungeplanten Schwangerschaft und von dem Ja, zu dem sich die blutjunge Frau durchringt. Der Mann nimmt einen Traum ernst, um seinen Weg mit ihr zu finden. Und die Geburt in einem Stall in der Fremde zeugt vom Improvisationstalent derer, die auf Gott vertrauen.

Wenn wir an so manche Abenteuer denken, die wir in den letzten beiden Jahren im richtigen Leben bestanden haben, dann dürfen uns diese ebenso Mut machen wie die alten Advents- und Weihnachtsgeschichten. Manche Erfahrung könnte uns allerdings auch zur Besinnung bringen und eventuell zu Entscheidungen, wo wir Weichen neu zu stellen haben in unserem Lebensstil.

Überhaupt habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, abends meinen Tag nachzuspüren, die Erlebnisse nocheinmal durchzukosten, wie sie in mir Dankbarkeit und Freude, aber auch Traurigkeit, Wut oder demütige Einsicht wecken. Haben sich in den Abenteuern dieses Tages meine Grenzen erweitert? Ist mein innerer Mensch gewachsen, auch wenn womöglich der äußere Federn lassen musste? Jedenfalls nährt sich hier in mir das Bewusstsein: Du bist nicht allein, du bist geliebt und geleitet, und dein Leben hat Wert und tiefen Sinn. Mit dem Frieden, der da einkehrt, kann Vertrauen wachsen in einen neuen Tag.

Ich bin überzeugt, dass gerade in den Abenteuern, die wir uns nicht selber heraussuchen, ein großes Zutrauen steckt. Das beherzte Ja dazu gilt jenem, der unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten kennt und uns Gelegenheiten gibt, sie zu entfalten. Und dem, der glaubt, kommt Gott darin wahrhaftig entgegen.

Advent wäre die Zeit, Mut zu fassen und Ihn freudig zu erwarten.