Pressebericht der Pfarrkonferenz

Pfarrkonferenz mit den MdBs
Alexander Hoffmann und Bernd Rützel

Alexander Hoffmann und sein Bundestagskollege Bernd Rützel waren im Juni Gäste bei der monatlich stattfindenden Pfarrkonferenz aller Pfarrer und Pfarrerinnen des Dekanatsbezirks Lohr. „Voller Vorfreude“ sei er zu diesem Treffen gefahren, sagte Alexander Hoffmann, der auch als Wortgottesdiensthelfer in seiner Heimatgemeinde engagiert ist. Nach den intensiven Wochen im Bundestag und den nicht minder intensiven, noch anstehenden Wochen, sei es nun ein „Genuss über Glauben und Kirche sprechen zu können.“ Schon bei seiner Vorstellung bezog der Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis Main-Spessart klar Stellung zur Kirche. Ebenso Bernd Rützel, der im Deutschen Bundestag das wöchentliche Gebetsfrühstück mitorganisiert, und zu Beginn erzählte, dass er seine Frau im Pfarrgemeinderat kennengelernt hat und schon von daher eng mit der Kirche verbunden ist.

Das Pfarrkapitel hatte beide eingeladen, um mit ihnen ins Gespräch über Glauben und Kirche, über das Verhältnis von Kirche und Staat, über die Arbeit im Bundestag und über die beiden Abgeordneten selbst zu kommen. In über zwei Stunden diskutierten die beiden Politiker mit den Pfarrern aus den Landkreisen Main-Spessart und Bad Kissingen, beantworteten Fragen, fragten zurück, so dass es zu einem fruchtbaren und kurzweiligen Austausch kam.

Bei ihrer Vorstellung gingen beide, Hoffmann und Rützel, auf ihre persönliche Geschichte mit der Kirche ein, erzählten von ihrem Glauben und stellten, ohne sich abgesprochen zu haben, ein Zitat von Arno Pötzsch ins Zentrum ihres Glaubens: „Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.“

Beide Politiker waren sich einig, dass der gesellschaftliche Wert der Kirche, auch nach der „hinkenden Trennung“ von Kirche und Staat, nicht gering zu schätzen sei. Kirche sei wesentlich für die „Herzensbildung“ in Deutschland mitverantwortlich. Und auf die Herzensbildung komme es an, die dürfe auf keinen Fall fehlen. Kirche und Religionsunterricht, aber auch Gespräche über Glauben und Religion seien dafür essenziell.

„Wenn die Kirche Einfluss auf die Politik haben möchte, dann muss sie sich einmischen.“, so Rützel. Man könne jederzeit für persönliche Gespräche auf ihn zukommen. Für Hoffmann sind Kirche und Politik in einer ähnlichen Situation: Für all das, was gut läuft, gibt es normalerweise wenig Lob, aber Kritik werde immer besonders laut, wenn etwas falsch läuft. „Ich wünsche mir, dass Kirche mitredet und sich einmischt.“, unterstrich auch er. Ansprechpartner der Kirchen sind in seinen Augen die Mitglieder des Bundestages jeweils vor Ort in ihren Wahlbezirken. Zu denen könne jedes Mitglied der Kirche mit Anliegen kommen.

Für die Pfarrer und Pfarrerinnen des Dekanats waren diese Aussagen zumindest in dieser Deutlichkeit, überraschend und erfreulich. Oft genug wirkt es im Arbeitsalltag so, als interessiere sich Politik so gut wie überhaupt nicht für die Belange der Kirche. Kirchliche und religiöse Fragen werden ungern diskutiert im Alltagsgeschäft des Bundestages, so bisher die Meinung einiger Anwesenden. Dem widersprachen beide MdBs entschieden. Der Deutsche Ethik-Rat etwa, in dem in der Regel auch Theologen sitzen und zu Wort kommen, habe auf die Arbeit im Bundestag einen sehr großen Einfluss.

Dekan Till Roth war in der Diskussion wichtig, bei allen gemeinsamen Herausforderungen, die Großinstitutionen und Parteien derzeit erleben, und bei allen Überschneidungen auch die Unterschiede in den Aufgaben und Zuständigkeiten im Blick zu behalten. Während die Politik für Frieden, Ordnung und gutes Zusammenleben der Menschen zuständig sei, habe die Kirche darüber hinaus den Horizont des Ewigen in den Blick zu nehmen. Während die Politik das Wohl der Menschen vor Augen habe, so die Kirche vor allem auch das Heil, bei dem es um die großen Fragen der Menschheit von Schuld und Vergebung, von Gott und Schöpfung, von Hoffnung und ewigem Leben gehe.

Durch die klare Positionierung und Selbstverortung beider Abgeordneten als Teil der christlichen Kirche in Deutschland war die Atmosphäre innerhalb des Gespräches angenehm und locker. So wurden im Laufe des Nachmittags verschiedene Themen angeschnitten. Vom islamischen Religionsunterricht, der auch einen Beitrag zur Herzensbildung leisten kann und soll, über die Debatte zur Sterbehilfe hin zu Erläuterungen wie Lobbyarbeit funktioniert und aktuellen Fragen in der Corona-Krise streiften sie verschiedenste Themen. Rützel und Hoffmann bezogen authentisch Position, ohne sich hinter hohlen Phrasen zu verstecken. Mit ihrem Humor, ihrer offenen Art und den konkreten, anschaulichen Beispielen in ihren Ausführungen und aus ihrem eigenen Leben, sorgten sie für einen Nachmittag, der in Erinnerung bleiben wird.

Zum Abschluss bestärkten die Politiker die versammelte Geistlichkeit darin, ihre Aufgabe der Herzensbildung ernst zu nehmen und dem Staat immer wieder als moralischer Kompass beizustehen. „Ohne Moral fahren wir jedes System an die Wand.“, so formulierte Hoffmann dies in seinem Schlusswort. Die Pfarrer und Pfarrerinnen werden sich das sicherlich ihrerseits zu Herzen nehmen und jeder und jede auf die ganze eigene Weise an der Herzensbildung in Deutschland mitwirken: Mit ganz konkreten Anfragen an die MdBs, im Religionsunterricht oder im steten Gebet für Politik und Politiker. Rützel zitierte zum Abschluss den Reformator Martin Luther: „Den Leuten aufs Maul schauen, aber nicht nach dem Maul reden“ das sei für ihn sowohl für Politik als auch für Kirche ein hervorragendes Leitmotiv.

Dekan Till Roth bedankte sich beim Vorbereitungskreis Niels Hönerlage, Gerd Kirchner und Barbara Weichert sowie bei den Gästen für die persönliche und ausführliche Begegnung und wünscht ihnen viel Kraft und Gottes Segen für ihre umfassenden verantwortlichen Tätigkeiten.