Wort zum Wochenende

Das Wort zum Wochenende erscheint jeweils in der Wochenendausgabe der Main-Post. Am Montag nach der Veröffentlichung stellen wir das aktuelle Wort zum Wochenende hier online. 

 

Wort zum Wochenende für den 25. September 2022

 

von Till Roth, Dekan des Dekanatsbezirks Lohr a.Main

Dekan Till Roth
Bildrechte Helmut Hussong

Im Jahr 1947 wurde von der Zeitschrift „Bulletin of the Atomic Scientists“ die Weltuntergangs-Uhr erdacht. Das ist keine richtige Uhr mit einem Ziffernblatt oder einer digitalen Anzeige. Mit dieser imaginären Uhr möchte eine Gruppe von Wissenschaftlern symbolisch verdeutlichen, wie nahe der Untergang der Menschheit sein könnte. So zeigte die Doomsday Clock nach ihrer Erfindung – das war kurz nach den Atombombenangriffen auf Japan – sieben Minuten vor Zwölf. Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten wie Atomtechnologie und Klimaforschung treffen sich zweimal im Jahr, um über die aktuelle Uhrzeit zu diskutieren. Und so wurde die Uhr in den letzten Jahrzehnten mal vor- und mal zurückgestellt, je nach Gefährdungslage der Welt. 2020 wurde die Uhr schließlich auf 100 Sekunden vor Zwölf gestellt. Diese Entscheidung wurde 2021 und 2022 bestätigt. Als Grund wird die komplexe Bedrohung wie etwa durch die Klimakatastrophe, durch atomare Zwischenfälle oder durch digitalen Informationskrieg angegeben.

Nun haben wir seit über einem halben Jahr Krieg im Nachbarland unseres Nachbarlandes, also nicht weit weg. Wir stehen ohnmächtig da und schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, weil im Umfeld von Atomkraftwerken Raketen niedergehen. Die Auswirkungen des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine sind auch bei uns spürbar angekommen. Viele von uns machen sich Sorgen. Wie wird wohl der Herbst und der Winter werden? Das Thema Corona tritt da eher in den Hintergrund. Werden Gas und Strom reichen? Wird das Geld reichen? Das sind die größeren Sorgen. Ist es vielleicht wirklich kurz vor Zwölf? Könnte es zu einem großen Kollaps kommen?

Wir haben gute Nachrichten dringend nötig! Zugleich frage ich mich: Wir man wohl als Ermutiger ernstgenommen oder eher als Realitätsverweigerer hingestellt? Klingt ein „Bleiben Sie zuversichtlich!“ in diesen Tagen nicht zynisch? Nein! Selbstverständlich gibt es viele gute Nachrichten! Es geschehen jeden Tag auch unzählig viele gute Dinge. Und trotz allem Schwierigen können wir für vieles dankbar sein. Ich finde es schwierig, wenn wir wie gebannt nur auf eine Weltuntergangsuhr starren. Angst kann lähmen. Und das hilft nicht weiter. Darum müssen wir achtgeben, dass wir bei allem Realismus nicht in einen Alarmismus verfallen. Schließlich denke ich an den Satz Jesu: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, denn ich habe diese Welt überwunden.“ So oft spricht Gott ein „Fürchte dich nicht!“ in seinem Wort – in alle möglichen Situationen der Angst und Sorge hinein. Das möchte ich ernstnehmen und darauf vertrauen lernen, dass Gott die kleinen und die großen Sorgen kennt und mit ihnen fertig werden kann. Und die Bibel ist klar in ihrer Botschaft, dass die Welt nicht einfach den Bach runter geht. Gott hält seine Schöpfung in Händen, und er führt uns auf sein ewiges Reich zu, das freilich „nicht von dieser Welt“ ist. Aber diese Hoffnung ändert entscheidend meinen Blick: Wir gehen nicht auf einen katastrophalen Abgrund zu, sondern wir gehen dem wiederkommenden Herrn entgegen, der uns nicht fallen lässt. Wir laufen nicht in ein immer stärker werdendes Dunkel hinein, sondern der aufgehenden Sonne entgegen.