Lohr, 24. Oktober 2026 – Wie soll Kirche in unserer Region aussehen? Darüber berät regelmäßig die Dekanatssynode, eine Versammlung von 60 engagierten Menschen, Pfarrerinnen und Pfarrer, gewählte Kirchenvorstände und aus verschiedenen Arbeitsbereichen berufene Personen. In diesem Jahr befasste sich die Dekanatssynode des evangelischen Dekanats Lohr mit den Veränderungen des kirchlichen Lebens, die sich jetzt und in den nächsten Monaten und Jahren in den Gemeinden zwischen Main, Spessart und Rhön vollziehen werden.
Zum Auftakt-Gottesdienst in der Auferstehungskirche erfreute Dekanatskantor Mark Genzel die Synodalen zunächst mit einigen besonderen Orgelstücken, darunter Werke von Johann Sebastian Bach, dem großen Thomaskantor, Jehan Alain, dem poetischen französischen Klangvisionär, Healey Willan, dem Meister anglikanischer Kirchenmusik, und Anton Heiller, dem bedeutenden österreichischen Organisten und Komponisten.
Der Predigt von Dekan Roth lag das Bibelwort aus Jesaja 44 zugrunde, das ein Versprechen auf strömenden Regen über verdurstendem Land, auf Segen und göttlichen Beistand auch in schwierigen Zeiten ist.
Für die evangelische Landeskirche liegen die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen solch dürrer Zeiten in drei Bereichen: Gebäuden, Finanzen und Personal. Es stehen Strukturreformen an, die Kräfte bündeln und Kosten senken sollen: Kirchengemeinden finden sich ab 2027 in neuen Verbundregionen zusammen, den sogenannten Regionalgemeinden. Auch die Dekanate werden ab 2028 größer gefasst.
Nach seinem Rechenschaftsbericht kündigte Dekan Till Roth an, dass das Dekanat Lohr noch bis Ende 2027 eigenständig sein werde, damit gehe für den Dekanatssitz Lohr ein Kapitel zu Ende, welches 1928 begonnen habe. Zwei Highlights des kommenden Jahres wurden angekündigt: Vom 7. bis 14. Februar 2027 findet eine Israelreise statt, bei der noch Plätze verfügbar sind. Interessenten können sich bis 20. November anmelden, Auskunft gibt das Dekanatsbüro. Außerdem besucht vom 2. bis 22. Juni 2027 eine Delegation von vier Personen aus der Partnergemeinde Oldonyo Sambu in Tansania das Dekanat.
Dekan Till Roth erinnerte daran, die Kirche nicht durch die Brille von Rückgangsstatistiken und öffentlicher Kritik zu betrachten, sondern den Blick bewusst zu weiten. Ja, es tue weh, wenn eine Dorfkirche mit ihrer jahrhundertealten Geschichte aufgegeben werden muss. Dass 50 % aller Immobilien aus der landeskirchlichen Finanzierung fallen, sei unglaublich schwierig. Doch was prägt uns mehr: Gebäude oder Menschen ?
Wie geht es den Menschen mit all diesen Veränderungen, was sind ihre Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen? Darum ging es im Verlauf des Vormittags in einem offenen Austausch nach dem Format „Jetzt red I“, bei dem auch Dekanin Kerstin Baderschneider aus Kitzingen dabei war, die das Dekanat in der Landessynode vertritt. Bei vielen Beiträgen konnte herausgehört werden, dass vor allem nicht besetzte Pfarrstellen vor Ort als schmerzhaft empfunden werden. Eine Chance sei da die Regionalgemeinde, in der multiprofessionelle Teams zusammenarbeiten: Die Vertretung vakanter Stellen werde dadurch einfacher. Doch auch skeptische Stimmen waren zu hören: Die Regionalgemeinde werde nicht automatisch alle Versorgungsprobleme lösen, man müsse weiterhin eigene Strukturen vor Ort aufbauen. Parallel zum Stellenabbau erschwert nämlich insbesondere der Nachwuchsmangel bei den Theologinnen und Theologen die Besetzung von Pfarrstellen.
Dagegen hilft die kontinuierliche Förderung von Ehrenamtlichen, die bereits vielerorts Früchte trägt. In den 19 Kirchengemeinden des Dekanats sind momentan schon mehr als 20 Lektorinnen und Prädikanten in den Gottesdiensten aktiv. Fortbildungsmodule für Bestattungen, Taufen und Trauungen werden angeboten. Drei Gemeindekuratorinnen und ein Kurator beendeten 2026 ihre Ausbildung und unterstützen in Wildflecken, Zeitlofs und Geroda die Verwaltungsarbeit.
Zur Sprache kam auch die Urbanisierung und die weniger gute Versorgung mit Pfarrpersonen speziell in ländlichen Gebieten, es wurde der Wunsch nach einem Ausgleich für ländliche Regionen geäußert. Auf Landeskirchenebene solle außerdem das Thema Ökumene wieder stärker in den Blick genommen werden. Die ökumenische Gebäudenutzung vor Ort sei eine Möglichkeit für beide Konfessionen mit den knappen Ressourcen umzugehen.
Pfarrer Wolf-Benjamin Gittermann warb als Beauftragter für die Notfallseelsorge für mehr Unterstützung und für die Ausbildung von Ehrenamtlichen. Was in der Notfallseelsorge geleistet werde, geschehe oft im Verborgenden, sei aber für Betroffene von unschätzbarem Wert. Notfallseelsorge ist Akuthilfe für Angehörige, Zeugen, Hinterbliebene und Vermissende.
Dekanin Baderschneider ermunterte dazu, mit jeglichen Anliegen auf die Mitglieder der Landessynode zuzugehen. Strukturen müssten der kirchlichen Arbeit und damit den Menschen vor Ort dienen, nicht umgekehrt. Den Blick der Verwaltung und den Blick „von unten“ miteinander zu vereinbaren, sei die Schwierigkeit und die Chance in den Entscheidungsfindungsprozessen der Synode. Kirche werde in Zukunft anders sein, doch sie wird leben von all den kleinen und großen Dingen, die wir einbringen.
