Immer reicher werden an Hoffnung

Immer reicher werden an Hoffnung Sketchnotes Katzmarzik
Bildrechte J. Katzmarzik

Den Weg finden zwischen Abbrüchen, Umbrüchen und Aufbrüchen - Synode des Evang. Dekanats Lohr mit neuen Impulsen und Methoden

Bericht von Carolin Esgen

Lohr a. Main. 51 Synodale des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Lohr trafen sich am 13. November in der Aula des Nägelsee-Schulzentrums in Lohr, um ihrer Aufgabe im obersten Gremium des Dekanatsbezirks nachzukommen. Mindestens einmal jährlich versammeln sich Vertreterinnen und Vertreter aller Kirchengemeinden und kirchlichen Dienste, das Pfarrkapitel sowie kirchliche Mitarbeiter mit besonderen Aufgaben. Kernaufgabe der Synode ist es, die Zusammenarbeit und Kommunikation unter den Kirchengemeinden zu fördern.

Unter der Leitung von Dekan Till Roth, Lohr, und den Präsidiumsmitgliedern Martin Hentschel, Geroda, und Manuela Weber, Gemünden, wurden neue Wege beschritten – inhaltlich und methodisch. Inhaltliche Neuerung war die Fokussierung der Synode auf Austausch. Drei Impulse des Dekans sowie Interviews mit Verantwortlichen aus zwei kirchlichen Arbeitsbereichen wechselten sich mit kommunikativen Phasen ab, in denen sich die Synodalen direkt einbrachten: zu zweit, in Workshops und im Plenum. Um diese neue Schwerpunktsetzung möglich zu machen, wurde der Rechenschaftsbericht des Dekans bereits vor der Synode digital zugänglich gemacht sowie im Berichtsheft mit den weiteren Berichten veröffentlicht und auf einen mündlichen Vortrag verzichtet.

Eröffnet wurde die Synode mit der Feier eines Abendmahlsgottesdienstes. Ordinierte und Ehrenamtliche aus allen Regionen gestalteten diesen unter der Leitung von Dekan Roth, Lohr, Pfarrer Robert Augustin, Hammelburg, und Pfarrerin Barbara Weichert, Zeitlofs. Bereits in seiner Predigt nahm Dekan Roth die Synodalen mit auf den Weg von notwendigen Abbrüchen, über kräftezehrende Umbrüche hin zu ermutigenden Aufbrüchen. Dekan Roth führte aus, dass der Umgang mit Abbrüchen im kirchlichen Leben den Phasen der Trauerarbeit gleiche. Er verband die Klage des Propheten Jeremia mit mancher Angst heute. Doch auch in den Klageliedern deute sich der Umbruch an: „Die Güte des Herrn ist‘s, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende.“ Und weiter: „Hoffnung wächst im Über-uns-hinaus-Schauen“ und „Die Kirche bröckelt: wir tun was dagegen!“, so ist auf der Sketchnote zur Predigt zu lesen.

Visualisierung durch Sketching

Sketching, das ist die Visualisierung von Vorträgen und Redebeiträgen in Wort und Bild. Für diese methodische Neuerung hatte sich das Vorbereitungsteam die Unterstützung von Dr. Joy Katzmarzik geholt. Die promovierte Amerikanistin, derzeit im Schuldienst an einem Berufskolleg für Gehörlose und Schwerhörige sowie nebenberufliche Illustratorin, zeichnete die gesamten Plenumsbeiträge der Synode mit. „Ich bin gespannt, auf was ich mich da eingelassen habe“, meinte Dekan Roth erwartungsvoll. Die Visualisierung seiner Impulse konnte das Auditorium live an der Leinwand verfolgen. „Ich habe noch vor Augen, was gesagt wurde“ – schon während der Synode wurde diese Methode als hilfreich rückgemeldet. Diese Visualisierung umfasste den Gottesdienst, die drei Dekansimpulse, die beiden Interviews und den Redeblock „Jetzt red i“ – die zweite methodische Neuerung.

Neues Format: „Jetzt red i“

Der Redeblock „Jetzt red i“ bot allen Synodalen die Möglichkeit, auf konstruktive Art Ideen, Fragen, Sorgen oder Gedanken mit allen anderen im Plenum zu teilen. Durch die Begrenzung der Redezeit auf max. vier Minuten konnten alle 12 Wortbeiträge gehört werden. Die Bandbreite reichte von konkreten Bitten um Netzwerkbildung, über Sorgen wegen des Mangels an Kirchenmusikernachwuchs bis hin zur persönlichen Feststellung „Die Landeskirche macht nicht alles richtig; aber sie macht vieles doch ganz schön gut.“ Aus dem Dekanatsausschuss, der ständigen Vertretung der Synode, hieß es, dass man die Anliegen und Ideen aus allen Gemeinden wahrnehmen wolle. Visualisiert per Sketchnote sind die Anregungen und Themen nun zur weiteren Bearbeitung oder zur Erinnerung anschaulich und knapp vor Augen: nutzbar bei Konferenzen, in Kirchenvorstandssitzungen oder auch Gemeindeversammlungen. Durch das ausführliche Protokoll können sie bei Bedarf ergänzt werden.

Interviews zu Kirchenmusik und Jugendarbeit

Die Interviews mit Dekanatskantor Mark Genzel und Dekanatsjugendreferentin Mona Schenker ermöglichten den Synodalen einen kurzen Einblick in deren Arbeitsfelder. „Eine meiner größten Herausforderungen liegt darin, möglichst ausgewogen der Bandbreite meiner Aufgaben gerecht zu werden“, sagte Kirchenmusikdirektor Mark Genzel. Anspruchsvolle Konzertarbeit, Kinderchor, Nachwuchsförderung vor Ort, Orgelbegehungen als Sachverständiger und einfühlsame musikalische Ausgestaltung von Gottesdiensten verlangen dem Dekantskantor viel ab. Dass die Kirche schrumpfe, sei nicht zu übersehen, aber Resignation sei nicht angesagt. „Nicht zu resignieren heißt für mich, zu schauen, was geht, was in der Luft liegt – aber sich auch klar zu werden, was nicht mehr geht und aufgegeben werden muss“, erläuterte Mark Genzel. Er sei fast erstaunt und freue sich, wie viele Frauen und Männer sich immer noch in der anspruchsvollen Kirchenmusik engagieren. Diakonin Mona Schenker ließ den Blick über ihr erstes Dienstjahr im Dekanat Lohr schweifen: von herausfordernder Gremienarbeit, über Veränderungen aufgrund einer heute sehr engen Eltern-Kind-Bindung, hin zu inspirierender Arbeit an einem „Weihnachts-Escape-Room“-Game. „Dekanatsweit kann das Game von Gemeinden genutzt werden. Material und Handbuch stehen bald zum Ausleihen bereit.“ Gefordert sei sie auch in konzeptioneller Arbeit im Fortbildungsbereich für Mitarbeitende. Begeistert zeigte sich Mona Schenker von der Arbeit in den Gemeinden der Region Ost.

In fünf Workshops ließen die Synodalen aller Regionen einen Fundus an praxiserprobten Ideen zur Gottesdienst-, Diakonie- und Gemeindearbeit entstehen. „Gute Praxis hier bei uns: wir hätten noch mehr Zeit gebraucht.“ Die Rückmeldungen zeigten, dass die Entscheidung, Austausch und Gemeinschaft in den Mittelpunkt der Synode zu stellen, richtig war.

„Ich bin dankbar und zufrieden“, resümierte Dekan Roth hinsichtlich Beteiligung und Ablauf der Synode. Der Blick von außen durch Joy Katzmarzik brachte einen zusätzlichen Gewinn. Sie fasste ihre Eindrücke zusammen: „Ich habe selbst von dieser Synode profitiert. Für mich ist es neu, dass sich ein solches Gremium Zeit nimmt, anzuhalten, still zu werden und auf das zu blicken, was gerade ist: Trauer in Abbrüchen, Reflektieren in Umbrüchen und Freude in Aufbrüchen. Und danach zu fragen, was Gott will.“ Pfarrer Thomas Schweizer, Gemünden, betonte es ähnlich: „Es muss nicht alles bleiben wie es ist. Eines aber bleibt: Ich will das Evangelium verkündigen.“

Musikalisch ausgestaltet wurde der Tag von Dr. Frank Luhn (Klarinette) und Dekanatskantor Mark Genzel (Flügel), beide Lohr a.Main.

Info: Die Dekanatssynode vertritt öffentlich kirchliche Angelegenheiten und ist zuständig für Gesetzgebung und Rechtsetzung im Rahmen des kirchlichen Selbstbestimmungsrechtes.

Das Ev.-Luth. Dekanat Lohr umfasst Teile der Landkreise Main-Spessart, Bad Kissingen und einen kleinen Teil des Landkreises Aschaffenburg. Hier leben rund 17.000 evangelische Christinnen und Christen in 22 Kirchengemeinden und 14 Pfarreien. Geleitet wird das Evang. Dekanat Lohr seit Nov. 2015 von Dekan Till Roth, Lohr a.Main. www.evang-dekanat-lohr.de

Visualisierungen: Joy Katzmarzik: www.leap4joy.de